Europäische Umweltpolitik wie eine Wassermelone – außen grün und innen rot

Bild: Marc Fricke

Bis 2050 wollen wir Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. Mit dem „Green Deal“ haben wir nun endlich die richtige Antwort der EU und ein Programm für die sozial-ökologische Wende in Europa.
Denn es ist leicht, über das Verschwinden von Eisbären oder tropischen Regenwäldern zu trauern und mit dem Finger auf Länder und Regierungen außerhalb der europäischen Grenzen zu zeigen. Aber auch innerhalb unserer Grenzen wird die biologische Vielfalt zerstört. Daher ist einer der Eckpfeiler des Green Deal eine neue Strategie für die biologische Vielfalt. Wir müssen unsere Wälder und Moore besser schützen – nicht zuletzt, um natürliche CO2-Senken zu bewahren. Als Sozialdemokrat*innen im Europaparlament setzen wir uns dafür ein, dass 30 Prozent der Erdoberfläche (zu Land und zu Wasser) zu Naturschutzgebieten erklärt werden. Hierfür müssen die finanziellen Ausgaben in diesem Bereich verdoppelt und Investitionen in allen Politikbereichen auf ihren Einfluss auf die biologische Vielfalt hin geprüft werden.

Eng verbunden mit der biologischen Vielfalt ist die europäische Landwirtschaft. Sie trägt erheblich zum Aussterben vieler Arten bei und zerstört die natürlichen Ressourcen, auf die es für einen erfolgreichen Klimaschutz ankommt. Wir brauchen eine Neuausrichtung in der Agrarpolitik! Bei Agrarförderungen der EU muss gelten: Nur wer zum Schutz der Umwelt beiträgt, sollte künftig mit EU-Geldern gefördert werden. Wir wollen unsere Landwirt*innen für ihre Leistungen für den Klima- und Umweltschutz ausreichend fördern und unterstützen. Mit der sogenannten “Vom-Hof-auf-den-Tisch“-Strategie (auf Englisch „Farm to Fork“) soll eine nachhaltige Lebensmittelproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt werden. Für die Förderung kommt es dann beispielsweise darauf an, welche Zielmarken für die Reduzierung von Pestiziden, Düngemittel und Antibiotika vorgeschlagen werden.

Um Klima und Umwelt effektiv zu schützen, müssen wir auch die internationale Entwaldung stoppen. Mit unserem Konsum sind wir als EU derzeit für 10 Prozent der globalen Entwaldung verantwortlich. Dies zu ändern liegt mir besonders am Herzen, denn zurzeit bin ich für meine Fraktion zuständig für das Thema „Schutz der internationalen Wälder“. Wir brauchen strenge und verbindliche Regeln für die Sorgfaltspflicht in Lieferketten. Unternehmen, die ihre Produkte auf den europäischen Markt bringen, müssen nachweisen, dass diese nicht zur Entwaldung geführt haben. Das hilft am Ende allen – Konsument*innen und Produzent*innen.
Der Green Deal muss wie eine Wassermelone sein: Außen grün und innen rot! All die Veränderungen, die wir anstoßen, müssen in einem gerechten Übergang geschehen, bei dem niemand zurückgelassen wird. Wenn wir es schaffen, den Menschen zu zeigen, welche Vorteile sie in ihrem Alltag durch ein gesundes Ökosystem haben und wenn wir beweisen, dass sie durch den Klima- und Umweltschutz nicht weniger Geld oder Arbeitsplätze haben, sondern dass das Gegenteil der Fall ist – DANN können wir noch mehr Unterstützung für die ambitionierten Strategien, Aktionspläne und Berichte schaffen!

Delara Burkhardt