Alles paletti in der Muhliusstraße

Bild: Fabian Winkler

Das M38 ist zunächst einfach ein Raum: Er ist hell, aber von der Straße nicht einsehbar. Er ist mit Tischen und Stühlen eingerichtet, die jederzeit Yogamatten weichen können. Auch Beamer und Leinwand gibt es. Und diesen Raum könnt ihr nutzen: zum Monopoly-Spielen oder für euren Workshop zur Plastikvermeidung, zum gemeinsamen Singen oder für Gesprächsrunden. Einzige Bedingung: Jede und jeder darf mitmachen.

Das M38 ist ein Treffpunkt für alle Kielerinnen und Kieler. Wer Lust und Ideen hat, Aktivitäten ins Leben zu rufen, wird dabei unterstützt. Denn das M38 lebt von den Menschen, die mitmischen. So gibt es zum Beispiel die offene Gruppe „Nicht Fisch, nicht Fleisch“, die sich hier zum Spieleabend trifft. Alle, die Lust auf  Gesellschaftsspiele haben, sind eingeladen mitzumachen: Menschen mit und ohne Behinderung, aber auch alle, die das Gefühl haben, irgendwo dazwischen zu sein.

Das M38 ist auch eine Anlaufstelle für alle, die Hilfe oder Informationen brauchen. Hier finden Sozialberatungen zu persönlichen Anliegen und offene Sozialcafés statt. Jede Woche besonders gut besucht ist das interkulturelle Frauenfrühstück. Aber auch an einem Fotokurs oder einem Handarbeitskurs könnt ihr hier  teilnehmen oder beim inklusiven Zeitungsprojekt „IRRE“ mitarbeiten. Organisiert wird das alles von pädagogischen Fachkräften und/oder Ehrenamtler*innen.

Direkt nebenan ist das Café Paletti, ein eigenständiges Projekt. Auf den ersten Blick wirkt es wie jedes andere Café – in jedem Fall aber ein besonders schönes: Es ist gemütlich mit Möbeln aus Paletten eingerichtet. Man bekommt hier Kaffee, Kuchen und mittags etwas Leckeres zu essen. Aber auf den zweiten Blick ist doch ein
bisschen was anders: Während sonst vegane Läden aus dem Boden sprießen, ist hier mittags vor allem Hausmannskost angesagt. Täglich gibt es ein Gericht im Angebot, nur am vegetarischen Freitag ist das garantiert „nicht Fisch, nicht Fleisch“. Die Öffnungszeiten sind relativ kurz. Trotz Frühstücksangebot öffnet das Café Paletti erst um halb zehn und schließt bereits um 14:30 Uhr wieder.

Aber dafür gibt es einen guten Grund: Das Café Paletti ist nämlich nicht nur für die Gäste da, sondern auch für die Menschen, die hier arbeiten. Derzeit bekommen elf Menschen mit psychischer Erkrankung die Möglichkeit im Service oder in der Küche mitzuarbeiten und sich im geschützten Raum, begleitet von pädagogischem Fachpersonal, zu erproben. Eine fest angestellte Hauswirtschafterin ist dabei immer mit dabei.

Die Beschäftigten arbeiten vier bis sechs Stunden täglich, wobei auf regelmäßige Pausen geachtet und auf individuelle Belastungsgrenzen Rücksicht genommen wird. Persönliche Einsatzzeiten lassen sich oft nicht planen, sondern sind abhängig von der Tagesform der Mitarbeitenden. Das Essensangebot und die Öffnungszeiten sind daher so gestaltet, dass es die Hauswirtschafterin im Zweifel auch schafft, den Betrieb allein am Laufen zu halten. Die Arbeit im Café Paletti ist für die Beschäftigten die Möglichkeit einem geregelten Tagesablauf nachzugehen mit der notwendigen Unterstützung, die sie brauchen.

Wenn man das Café besucht, merkt man allerdings, dass das für die Gäste im täglichen Betrieb gar keine Rolle spielt: Hier treffen sich mittags die Banker*innen aus
der Sparkasse und die Rentner*innen aus dem Stadtteil, die den günstigen Mittagstisch zu schätzen wissen. Und auch wer ein nettes Café zum Kaffeetrinken sucht, ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse!

Tabea Philipp